Die Frage taucht vor jeder längeren Tour auf: Reicht die Powerbank, oder braucht es mehr? Die Antwort hängt nicht von der Tourlänge ab, sondern davon, was mitgeht. Wer mit Handy und Stirnlampe unterwegs ist, kommt mit erstaunlich wenig aus. Wer Kamera, Drohne oder ein Starlink-Terminal dabei hat, landet schnell in einer anderen Größenordnung.
Erst rechnen, dann kaufen
Der Energiebedarf lässt sich gut abschätzen. Als Faustwerte für eine Tour:
| Gerät | Verbrauch je Ladung | Ladungen pro Woche |
|---|---|---|
| Smartphone (mit Navigation) | ca. 15–20 Wh | 5–7 |
| Stirnlampe (Akku) | ca. 5–10 Wh | 2–3 |
| GPS-Handgerät | ca. 10 Wh | 2–3 |
| Systemkamera-Akku | ca. 15 Wh | 3–5 |
| Laptop (13 Zoll) | ca. 50–60 Wh | nach Bedarf |
Eine Woche Trekking mit Handy, Stirnlampe und GPS landet damit bei grob 150 bis 200 Wh. Das ist der Wert, an dem sich alles Weitere entscheidet.
Wichtig bei der Umrechnung: Powerbanks werden meist in mAh beworben, Powerstations in Wh. Die Umrechnung geht über die Zellspannung von 3,7 V:
20.000 mAh × 3,7 V ÷ 1.000 = 74 Wh
Eine „20.000er“ Powerbank hat also rund 74 Wh — nicht 20.000 irgendwas. Und davon kommen wegen Wandlungsverlusten real etwa 60 bis 70 Prozent am Gerät an.
Drei Klassen, drei Einsatzbereiche
Powerbank: bis etwa 100 Wh
Für die klassische Hüttentour oder eine Woche mit Handy und Lampe ist die Powerbank die richtige Antwort. Sie wiegt wenig, kostet wenig und geht als Handgepäck durch — die 100-Wh-Grenze ist genau die Schwelle, ab der Fluggesellschaften Rückfragen stellen. Bis 100 Wh ist eine Powerbank im Handgepäck praktisch immer erlaubt, darüber wird es genehmigungspflichtig.
Worauf es ankommt: USB-C mit Power Delivery (sonst lädt das Handy quälend langsam), ein realistischer Blick aufs Gewicht, und ein Gehäuse, das einen Sturz auf Fels übersteht.
Powerstation: ab etwa 200 Wh
Sobald 230 V ins Spiel kommen — Laptop, Kamera-Ladegerät mit Netzstecker, CPAP-Gerät — reicht keine Powerbank mehr. Powerstations beginnen bei rund 250 Wh und bringen echte Steckdosen mit.
Der ehrliche Hinweis dazu: Im Rucksack hat so ein Gerät nichts verloren. Schon die kleinsten Modelle wiegen um die drei Kilogramm. Ihr Platz ist das Basislager, der Van, das Standlager am See oder die Hütte ohne Netzanschluss — überall dort, wo man nicht jeden Meter selbst trägt.
Solarpanel: nur bei stationärem Lager
Faltpanels klingen nach Autarkie, liefern aber deutlich weniger als das Datenblatt verspricht: Die Nennleistung gilt bei senkrechter Einstrahlung und klarem Himmel. Im Wald, bei Bewölkung oder flach auf den Rucksack geschnallt bleiben oft nur 20 bis 40 Prozent übrig.
Für Trekking heißt das: Ein Panel auf dem Rucksack ist meist totes Gewicht. Sinnvoll wird Solar erst, wenn das Lager mehrere Tage steht und das Panel wirklich ausgerichtet werden kann.
Was bedeutet Kälte für die Kapazität?
Lithium-Zellen verlieren bei Kälte spürbar an nutzbarer Kapazität — bei Frost muss man mit merklichen Einbußen rechnen, die beim Aufwärmen größtenteils zurückkommen. Praktische Konsequenz: Powerbank nachts in den Schlafsack, nicht ins Zeltaußenfach. Das gilt für jede Tour im Winter, im Hochgebirge und im Frühjahr über 2.000 Metern.
Kurz gefasst
- Bis 100 Wh Bedarf: Powerbank. Leicht, günstig, flugtauglich.
- Ab 200 Wh oder wenn 230 V gebraucht werden: Powerstation — aber nur, wenn sie nicht getragen werden muss.
- Solarpanel: erst ab mehrtägigem Standlager, sonst Ballast.
- Immer: Kapazität in Wh rechnen, nicht in mAh, und im Winter die Akkus warm halten.
Was sonst noch in den Rucksack gehört, steht in unserer Packliste für die Mehrtagestour. Wie viel Strom die Navigation tatsächlich zieht, hängt stark vom Gerät ab — dazu die Grundlagen der GPS-Navigation.


