Reisebericht (EX): Mit dem Rad am Rhein von Andermatt bis nach Neuss

Google Earth Track

Wie im Blog Update angekündigt freue ich mich euch den ersten “externen” Reisebericht vorstellen stellen zu können. Sven, ein alter Adminkollege von cncforen.de hat mir seinen Reisebericht über seine 7 Tage Bike Reise am Rhein von Andermatt bis nach Neuss zur Verfügung gestellt. Klasse Sache – Danke an dieser Stelle :)

Der Text und die Bilder wurden komplett von Sven zur Verfügung gestellt. Ich habe das Layout für meine Seite entsprechend angepasst, die Locations (Google Earth) und Hotels verlinkt und jeweils 3 Bilder entsprechend den Etappen eingefügt (Link zur kompletten Gallerie weiter unten). Der Google Earth Track den ihr euch downloaden könnt ist ein Abriss der Etappenziele und kein GPS Track! Der Track dient lediglich zur Darstellung wo Sven die 7 Tage unterwegs war…

Anbei noch der Link zur gesamten Bildergallerie von Sven…

Viel Spass bei Lesen :)

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Vor der Reise

Im August vor 15 Jahren (1995) habe ich mich spontan entschlossen innerhalb eines Jahres den kompletten Verlauf des Rheins einmal abzufahren. Dazu hatte ich, damals Schüler der Fachschule für Technik in Mönchengladbach, in den Osterferien des Jahres eine Tour von Neuss nach Rotterdam und im Sommer dann die ‘große Tour’ von Andermatt über den Oberalppass nach Neuss gemacht. Damals, 15 Jahre jünger, habe ich diese ‘große Tour’ in 7 1/2 Tagen hinter mich gebracht. Das auf Basis des ADAC Straßenatlas aus dem ich mir die für mich relevanten Abschnitte als einzelne Blätter mitgenommen hatte. An einen durchgehenden Radweg entlang des Rheins war damals noch nicht zu denken.

Nun, 15 Jahre nach dieser Tour, beschloss ich relativ spontan den großen Abschnitt, von Andermatt bis nach Neuss, erneut unter die Räder zu nehmen und meldete dafür meinen Urlaub an.

Zunächst war geplant mit der Deutschen Bahn von Neuss nach Basel SBB und dann von dort mit der SBB nach Andermatt zu fahren.
Also orderte ich am 17.07.08 meine Fahrkarten online auf der Website der DB – und kreuzte dort natürlich ‘Fahrradmitnahme’ an und schrieb in den Kommentar für besondere Wünsche, dass die DB doch bitte für den EC103 von Düsseldorf nach Basel eine Reservierung für mein Rad vornehmen solle.

Als nach 5 Werktagen immer noch keine Tickets in meinem Briefkasten lagen rief ich die zuständige Hotline an. Man faselte etwas von einer misratenen Preiseinstellung im Internet und man würde mir schnellstmöglich einen neuen Preisvorschlag per Email zukommen lassen (auf meine Frage zur möglichen Differenz wurden mir max. 10 € genannt). Statt einer solchen Email hatte ich 2 Tage später die Fahrkarte und sämtliche Sitzplatzreservierungen im Briefkasten – aber ohne die Reservierung für das Fahrrad. Auf einen erneuten Anruf hin teilte man mir lapidar mit, dass eine Reservierung für Fahrräder online nicht möglich sei (bemerkenswerterweise wurde kurz darauf diese Option in das Onlineangebot der DB eingebaut) und man verwies mich auf die Reservierungshotline für Fahrräder. Dort wurde mir nur mitgeteilt, dass für den in Frage kommenden Zug, und auch für die Verbindungen davor und danach, sämtliche Mitnahmemöglichkeiten ausgebucht seien, ich möge mein Glück doch bei Hermes-Kuerierdienst versuchen.

Nach Recherche ergab sich, dass ein Transport via Hermes insgesamt ca. 45 € kosten würde und ich zuvor etwa 1 Woche auf mein Rad verzichten müsse.
Abgewogen fand ich heraus, dass mich ein Mietwagen für die Fahrt bis Lörrach inkl. Sprit und dem weiteren Bahntransport mit der SBB in etwa das gleiche kosten würde wie die zusammengezählten Kosten per DB/Hermes/SBB – und da ich nach der Erfahrung mit der DB keinerlei Bedürfnis verspürte denen noch Geld in den Rachen zu werfen entschied ich mich für diese Variante.

Vorbereitung und Planung

Dank der 3 Bände des Bikeline-Reiseführers ‘Der Rheinradweg’ konnte ich, anders als vor 15 Jahren, davon ausgehen einen durchweg vorhandenen Radweg entlang des Rheins vorzufinden. Als Gepäck nahm ich die notwendigste Ausrüstung in Form von 3 Hosen und 3 Trikots für die Fahrt und einer Jeans sowie 3 T-Shirts für die Abende (und natürlich Unterwäsche und – sehr wichtig, Socken für jeden Tag der Tour) – mit. Nicht fehlen durften zudem Regenbekleidung, eine Schirmmütze und der Helm. Waschzeug, ein kleines Handtuch, Vaseline für die Radlerhose, Sonnenmilch und eine Tube Bepanthen gehörten ebenso zur Ausrüstung wie Notfallwerkzeug und ein Ersatzschlauch.
Übernachtungen waren diesmal, im Gegensatz zur vorherigen Tour, ausschließlich in Pensionen, Privatzimmern und Hotels geplant.

Anfahrt

Am Morgen des 09.08.08 nahm ich meinen Mietwagen, einen Ford Focus Turnier in Empfang, fuhr diesen in meine Tiefgarage und belud ihn mit Rad und Gepäck. Auf ging es in Richtung Lörrach wo ich, abgesehen von einem kleinen Stau am Übergang von der A6 auf die A5 auch problemlos ankam. Nun, nach Rückgabe des Autos, per Rad zum Bahnhof Basel SBB wo ich dann zunächst den Zug nach Göschenen bestieg um dann auf die St. Gotthard-Matterhorn-Bahn umzusteigen. Den ersten Aufenthalt hatte ich zuvor per Email in den Privatzimmer-Räumlichkeiten des Hotels ‘Zum Bären’ in Andermatt klar gemacht.

In Andermatt kam ich, nach etwa 3 Stunden mit dem Zug, relativ spät abends an, bezog mein Zimmer und musste feststellen, dass die Küche leider schon geschlossen war und ich nichts mehr zu Essen bekam. Naja, egal, so viel Hunger hatte ich auch nicht und war nach der langen Anreise auch einigermaßen müde. Noch 3 Bierchen und ab ins Bett um für den Beginn der Tour am nächsten Morgen gerüstet zu sein.

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1. Etappe: Andermatt – Bad Ragaz (118km)

Aufstehen um 8:15 Uhr – mit einem Bärenhunger. Eigentlich hatte ich ja vor den Oberalppass per Rad zu erklimmen, nach ca. 3km musste ich mir, als altem Flachlandradler aber eingestehen, dass meine Ansprüche zu hoch angesetzt waren. Kurzum: Ich rollte wieder nach Andermatt zurück und bestieg samt Rad den Zug der mich dann nach oben brachte.

Dort angekommen ging es dann aber wirklich los. Zunächst eine rasante Abfahrt bis nach Ilanz, dort auf der rechten Rheinseite dann weiter an der Rheinschlucht vorbei in Richtung Chur (den langwierigen Anstieg nach Flims wollte ich mir ersparen) wobei ich mich in recht wechselhaft hügeligem Gebiet noch den ein oder anderen Anstieg heraufkämpfte. Glücklicherweise hat ja selbst der kleinste Ort in der Schweiz einen Dorfbrunnen aus dem, gerade in den Bergen, immer sehr erfischend kühles Quellwasser fließt. So konnte ich meine Trinkflasche immer mal wieder nach Bedarf nachfüllen.

Neben beeindruckenden Panoramen waren auch die einzelnen Dörfer auf meinem Weg nett anzusehen.
Chur erreichte ich dann am späten Nachmittag, gegen 17:00 Uhr und nutzte die Gelegenheit, nach 90km Fahrt, für eine kleine Pause mit einem leckeren Bier. Ein weiteres Bier gab es dann noch während einer kurzen Rast auf halbem Weg nach Bad Ragaz in Mastrils. Ach so, ehe ich es vergesse. Ich hatte die komplette Strecke nur Gegenwind – dennoch ein Schnitt von 22,7km/h
Danach ging es noch etwa 15km weiter bis ich gegen 19:00 Uhr Bad Ragaz erreichte und mich dort nach einer Unterkunft für die Nacht umsah. Die war auch schnell gefunden, im Hotel ‘Bergadler’ kam ich für kleines Geld zur wohlverdienten Ruhe. Nach einem köstlichen Hähnchenschenkel auf Reis mit Salat war dann der Tag für mich auch schnell gegessen und ich schlummerte schnell ein.

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2. Etappe: Bad Ragaz – Romanshorn (115km)

Wiederum am frühen Morgen, 8:15 Uhr sollte meine Regel werden, aufgestanden, gefrühstückt und weiter ging’s. Diesmal, wie nicht anders zu erwarten, war die komplette Etappe steigungsfrei und bis zum Bodensee war auch der Radweg eine wahre Freude. Zwischendurch machte ich einen kurzen Abstecher nach Liechtenstein, genauer in das dortige Örtchen Schaan. Zum Hintergrund sollte man wissen, dass ein paar gute Freunde hier im Rhein-Kreis-Neuss in einem kleinen Dorf namens Schaan leben und mich baten doch ein paar Fotos vom Liechtensteiner Schaan zu machen – was ich natürlich auch erledigte.

Ab dem Bodensee dann, zwischen Fußach und Rorschach, wurden die Radwege in ihrer Qualität zum Teil deutlich schlechter und auch die Strecke, die sonst immer direkt am Rhein entlangführte, zog sich nun kurvenreich durch die südliche Umgebung des Sees, streifte mal Teile des Sees oder führte in alte Ausläufer des Rheins.
Kurz nach Rorschach kam dann der erste Regen meiner Tour. Zunächst noch leicht tröpfelnd wurde es immer stärker und, gerade als es so richtig los ging, stand da plötzlich an einem Kiosk der zu einem Campingplatz gehörte ein Schild mit der Aufschrift ‘Gönn dir mal eine Pause’. Nie kam mir das gelegener als zu diesem Zeitpunkt. Kaum hatte ich mein Gepäck vom Rad ins Trockene gebracht, brach das Gewitter mit aller Kraft los. Ich half dann noch der Bedienung die draussen aufgestellten Sonnenschirme zu sichern und verbrachte dann die nächste Stunde damit darauf zu warten, dass der Regen wieder aufhörte. Als es so weit war traute ich mich dann noch die letzten ca. 15km bis in den nächsten Ort, Romanshorn, zu fahren und kam auch einigermaßen trocken dort an. Nach kurzer Verwirrung und Anfrage an mehrere Passanten fand ich dann auch meinen Weg zu dem von mir auserkorenen Privatzimmer für die Nacht. Nochmal kurz in den Ort herunter um mir dort ordentlich Kohlenhydrate in Form von Tortellini Bolognese einzuschaufeln und dann, total erschöpft und mit brennenden Beinen, ab ins Bett.

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3. Etappe: Romanshorn – Schaffhausen (60km + 20km)

Morgens, wie mittlerweile üblich gegen 8:45, nach dem Frühstück wieder auf das Rad und losgestrampelt. Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes doch zunächst blieb es trocken. Bis nach Stein am Rhein kam ich nach etwa 60km, dort wollte ich mich dann, wie ich das am frühen Nachmittag, so gegen 13:30 – 14:30 Uhr nun immer machte, in einem Supermakrt mit ein paar Müsliriegeln, einer Flasche Trinkjoghurt und etwas Obst eindecken um ein leichtes Mittagessen zu mir zu nehmen. Als ich den Laden betrat war es noch trocken und ich dachte schon darüber nach auf welcher Rheinseite ich denn nun weiterfahren sollte. Als ich wieder herauskam goss es wie aus Eimern. Also setzte ich mich, durch ein Betonvordach geschützt, auf eine Stange und futterte erstmal. nach mehr als einer Stunde hatte der Regen kein Stück nachgelassen und es sah in Richtung Westen auch nicht so aus als ob sich das in absehbarer Zeit ändern würde. Also fasste ich den Entschluss zunächst mal dem schlechten Wetter etwa 20km mit dem Zug entgegen zu fahren – nach Schaffhausen. Gesagt, getan – doch von Wetterbesserung keine Spur. In Schaffhausen setzte ich mich dann erstmal in eine Kneipe und trank erst eines, dann zwei und dann noch mehr Biere – der Regen hörte einfach nicht auf. Zwischendurch, als ich einsehen musste, dass an eine Weiterfahrt an diesem Tag nicht zu denken war, hatte ich mich dann noch in Schaffhausen in einem Hotel einquartiert und verbrachte folglich die Nacht auch dort.

Immerhin, durch die relativ kurze Etappe kam ich wieder zu Kräften und konnte am nächsten Morgen meine Fahrt mit umso mehr Elan fortsetzen.

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4. Etappe: Schaffhausen – Grenzach-Whylen (120km)

Der Regen des Tages und der Nacht hatte es deutlich abkühlen lassen und ich musste bei immer noch starker Bewölkung einiges Strampeln um auf Betriebstemperatur zu kommen. Ich hatte mich für die nördliche Rheinseite entschieden und mein Weg führte mich, teilweise abseits des Rheins, durch kleine, schöne Dörfer und so berühmte Städte wie Laufenburg und Bad Säckingen. In Höhe von Waldshut sprang mir zwischendurch ein Schíld an einem Minigolf-Kiosk in die Augen auf dem sich ein kühles Weizen für schlappe 2,30€ anbot von mir getrunken zu werden. Dies tat ich, in Verbindung mit einem Cheeseburger dann auch. Bedingt durch leichten Rückenwind – dem ersten der gesamten Strecke bisher – hatte ich, als ich gegen 16:00 Bad Säckingen erreichte, bereits 75km hinter mir und gönnte mir dann erstmal eine längere Pause – auch wenn ich mich noch ziemlich frisch fühlte. Mittlerweile war auch die Sonne wieder herausgekommen und ich genoss das Sitzen in einem Straßencafe dort.

Nach etwa 1 1/2 Stunden setzte ich mich dann wieder in Bewegung und fuhr in Richtung Basel weiter. Da ich vermutete in Basel kein günstiges Zimmer zu bekommen hatte ich mich dazu entschlossen berteits ein paar Kilometer früher, in Grenzach-Whylen, Station zu machen was sich leider als keine besonders gute Idee erwies. Nicht nur, dass die beiden Orte, Grenzach und Whylen, von der Chemieindustrie beherrscht werden, nein auch das allgemeine Ambiente ist nicht wirklich dazu geeignet sich dort wohlzufühlen. In Whylen fand ich gar keine Unterkunft – die einzige die es gegeben hätte war deutlich zu teuer – und in Grenzach machte ich dann Station im Hotel Adler, über einem Chinarestaurant gelegen und auch von deren Inhabern betrieben. Das Zimmer war eine einzige Katastrophe! Das Bett total durchgelegen – ich bekam schon vom Anblick Rückenschmerzen, außer der Hauptbeleuchtung funktionierte keine Lampe, die Toilettenspülung lief die ganze Zeit durch und es war, da direkt an der Hauptstrasse gelegen, mörderisch laut. Ich hatte zuerst überlegt zu versuchen im Nachhinein den Preis zu drücken – 45€ fand ich für das Gebotene total überteuert. Aber ich habe darauf verzichtet und verreisse das Hotel lieber jetzt in meinem Bericht hier. Radfahrer kommst du nach Grenzach-Whylen: Mach einen großen Bogen darum herum oder fahr einfach durch. Steige auf keinen Fall im Hotel ‘Adler’ ab!.

Immerhin entschädigte mich die riesige Pizza beim Italiener gegenüber des Hotels ein wenig und um dem Lärm während der Nacht einigermaßen entgegen zu wirken hatte ich mir vorher im Supermarkt des Ortes noch schnell eine Flasche Rotwein gekauft die ich dann beim Fernsehen im Hotelzimmer leerte.

Total kaputt habe ich dann so das beste aus der Situation gemacht….

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5. Etappe: Grenzach-Whylen – Rheinhausen (120km)

Wieder um die übliche Zeit aus den Federn und gefrühstückt. Dann nichts wie weg aus dem Ort und auf in Richtung Basel. Das war schnell erreicht aber dann gab es leichte Verwirrung. So gut die Strecke auch bis jetzt ausgeschildert war – in Basel verlor ich mich ein wenig und hatte ordentlich zu tun um wider auf den richtigen Weg zu kommen. Ich hatte mir vorgenommen auf der französischen Seite zu fahren weil dort, laut meinem Radtourenbuch, die Wege durchgehend asphaltiert sind. Endlich auf dem richtigen Weg ging es dann auch über Huninque durch den Harther Wald in Richtung Neuf-Brisach. Allerdings verfuhr ich mich gleich wieder da ich wohl einmal die Beschilderung übersehen hatte und blindlings einem Mountainbiker gefolgt bin von dem ich vermutete, dass er die gleiche Strecke fahren würde. Tat er aber nicht… Aber ich kam dann mit ihm ins Gespräch und er war so freundlich mich, da er sich in der Gegend auskannte, wieder auf die Strecke zu begleiten. Einmal im Harther Wald angekommen ging es dann auch wieder flüssig und ohne Probleme weiter und gegen 16:00, die alte Festungsstadt Neuf-Brisach lag bereits hinter mir, hatte ich schon 100km auf dem Tacho. Bei Marckolsheim verließ ich dann die französische Seite und fuhr über die dortige Rheinbrücke nach Deutschland herüber. Grund dafür war übrigens hauptsächlich, dass die kleinen französischen Dörfer anscheinend allesamt ohne Kneipe auskommen und in den größeren Orten im August alles ‘Ferme’, ‘Geschlossen’, ‘Im Urlaub’ zu sein scheint.

Nach weiteren 20km machte ich dann in Rheinhausen, ganz in der Nähe des Europaparks Rust, Station für die Nacht. In einem aberwitzig günstigen Gasthof namens ‘Schiff’ kam ich unter, für schlappe 21€ inkl. Frühstück. Neben der Tatsache nun wieder ein Bett zu haben das diese Bezeichnung auch verdient war der übrige Eindruck durchweg positiv. So war die Gaststätte, ganz im Zeichen ihres Namens, im Inneren tatsächlich wie ein Schiff eingerichtet, mit Bullaugen statt Fenstern, einer Theke die einen Mast mit gerefftem Segel umschloss und allerlei Sachen wie Fischernetzen, Resuen und sonstigem Kram darum drapiert. Ich kam dort mit einigen Ortsansässigen ins gespräch und beim ein oder anderen Bier erzählte ich von meiner Reise. Zudem war man dort noch so nett mir mit einer Dose WD40 für meine langsam zu quietschen beginnende Kette auszuhelfen. Zwar schmiert man seine Kette nicht mit so einem Mittelchen – aber ich konnte es dann doch nicht ablehnen und immerhin hielt der dünne Saft dann sogar noch 2 Tage durch. Das einzige was mir an diesem Abend etwas fehlte war ein Fernseher – immerhin sah das Wetter nicht wirklich stabil aus und ein Wetterbericht hätte mir wohl ziemlich geholfen. Der, der aus dem Radio drang war als solcher leider nicht zu gebrauchen.

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6. Etappe: Rheinhausen – Drusenheim (105km)

In der Nacht hatte es geregnet und es war wieder recht kühl geworden. Nach dem Frühstück wollte ich im Rheinhausener Ortsteil Niederhausen zurück auf den Rheindamm und folgte dem Weg der dorthin führen sollte. Leider tauchte kurz vor dessen Erreichen ein Zaun auf dem Weg auf auf dem ein ‘Durchfahrt verboten’ Schild prangte auf dem zu allem Überfluss noch geschrieben stand: ‘Weiterfahrt verboten – Lebensgefahr!’. Nun befand ich mich dort mitten im Rheinauer Wald der von sehr vielen kleinen geschotterten Wegen durchzogen ist. Meine Versuche abseits des eigentlichen Weges zum Rheindamm zu gelangen erwiesen sich als aussichtslos und ich fuhr ca 15km komplett umsonst durch die Gegend bis ich auf einen VW-Bus traf dessen Fahrer, auf meine Frage nach dem rechten Weg, mir bedeutete es sei das Vernünftigste zurück auf die Landstrasse zurückzukehren und über diese bis zur Fähre nach Kappel zu fahren. Das bedeutete wieder einen Umweg – zumal ich nun Rheinhausen auf dem gleichen Weg wie am Abend zuvor durchquerte. Mittlerweile fiel auch wieder leichter Regen der dann und wann auch wieder aussetzte – mich aber während der ersten Hälfte des Abschnittes ständig begleitete. Bis nach Kehl, das eigentlich nur ca. 50km entfernt lag, hatte ich so bereits 70km auf dem Tacho stehen und entschloss mich dann, da ich auf dem Rheindamm beständig über Schotter fuhr, mal grob, mal etwas feiner, wieder auf die französische Seite, nach Strasbourg, zu wechseln.
Und wie das immer in den großen Städten ist, verfranste ich mich erneut und musste mich bis Robertsau einige Male durchfragen. Plötzlich tauchte vor mir ein kleines Häuschen mit Gartenwirtschaft auf – und ich gönnte mir erstmal das erste Bier des Tages. Während ich ein paar Fotos machte stellte ich dann plötzlich fest, dass das Schild das ich die ganze Zeit gesucht hatte direkt neben dem Häuschen stand – ich war wieder auf der Stecke angekommen! Nun fuhr ich noch weiter durch das Elsass bis nach Drusenheim wo ich in einem kleinen Hotel unterkam. Allerdings hatte das zugehörige Restaurant geschlossen – ergo musste ich mein Abendessen ein paar Meter weiter einnehmen und bekam einen herrlichen Flammkuchen mit Knoblauch. In der Kneipe nebenan sah ich mir dann noch das Eröffnungsspiel der Bundesligasaison 2008/2009 an und ging dann schlafen.

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7. Etappe: Drusenheim – Altrip (135km)

Weiter auf der linken Rheinseite ging es dann von Frankreich nach Deutschland hinein nach Karlsruhe Maximiliansau und weiter in Richtung Wörth am Rhein. Der Abschnitt zwischen den genannten ist dabei nicht unbedingt eine reine Freude, es geht durch viel Industrie und auch die Wegführung ist erneut verwirrend. Mit Hilfe zweier älterer Radler kam ich dann aber gut weiter und setzte meinen Weg bei herrlichem Wetter in Richtung Ludwigshafen fort. Durchgehend auf oder neben dem Hochwasserdeich war die Strecke gut und angenehm zu fahren – nur vom Rhein sah man leider nur recht wenig weil der Deich meist zwischen Radweg und Fluss lag. Außerdem galt es einige Kieswerke und Rheinausläufer bzw. Auenseen zu umfahren was die Angelegenheit recht kurvig werden ließ. Dennoch kam ich sehr gut voran und kehrte erst bei Leimersheim zum Mittagessen ein. Dort liegt, etwa 200m abseits der Route ein wirklich netter Biergarten der von Griechen bewirtschaftet wird und wo es neben dem obligatorischen Weizen einen sehr leckeren Thunfischsalat gab.

So gestärkt ging es dann weiter durch Speyer und bis nach Altrip, weiter entlang des Hochwasserdamms und auf sehr guten Radwegen. In Altrip, etwa 15km vor Ludwigshafen, angekommen hatte ich vor in einer der beiden Pensionen eine Unterkunft zu finden nur waren blöderweise beide komplett ausgebucht. Netterweise war mir dann aber die Wirtin der zweiten Pension behilflich und telefonierte für mich ein wenig herum. Dabei stellte sich heraus, dass es in Ludigshafen keine günstigen Unterkünfte gab – dafür aber in einem Hotel in de Nähe von Altrip, dem ‘Strandhotel Darnstein’ wo ich für 45€ unterkam. Außerdem hatte ich auch noch mächtiges Glück denn eigentlich war, da am Abend dort gleich zwei Hochzeiten stattfanden, dort geschlossene Gesellschaft. So fühlte ich mich denn auch während des Abendessens ein wenig fehl am Platze und zog mich früh auf mein Zimmer zurück. Dort studierte ich noch ein wenig die Karten und ebntschloss mich auf Grund der wenig erbaulich erscheinenden Wegführung dazu, von Ludwigshafen bis Mainz mit dem Zug zu fahren.

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8. Etappe: Altrip – St. Goar (75km + 80km)

Morgens also zunächst mit dem Rad die 15km bis Ludwigshafen zurückgelegt und ich merkte schon, dass es meinem Hintern nicht gerade gut ging. Zwar hatte ich schon zuvor damit begonnen ihn während der Nächte mit Bepanthen zu behandeln aber es half nicht wirklich. In Ludwigshafen also zum Hauptbahnhof (Hauptbahnhof? Das sind gerade mal 2 Gleise…) und dann mit dem Zug über Alzey nach Mainz. Während der Zugfahrt telefonierte ich dann mit einem Bekannten um mich bei Eltville mit ihm zu treffen, das hatten wir vorher so ausgemacht. In Mainz angekommen stieg ich dann wieder aufs Rad und überquerte den Rhein in Richtung Wiesbaden. Weiter ging es auf der rechten Seite dann durch schöne Weinorte und dann wieder direkt an den Rhein wo das Treffen stattfand. Wir tranken ein Bier zusammen, aßen etwas und tranken dann noch ein Bier bevor wir uns wieder voneinander verabschiedeten. Bis Rüdesheim ging es dann auf extrem schottrigen, schlecht zu fahrenden Wegen weiter in Richtung Norden – was meinem Hinterteil wohl weiteren Schaden zufügte – und dann setzte ich mit der Fähre nach Bingen über. Hier wurden die Wege dann zwar zunächst besser – aber dafür behinderten Unmengen von Touristen das fortkommen. Meine Laune sank und der Hintern schmerzte so stark, dass die weitere Fahrt zur Qual geriet.

Während einer weiteren Pause wägte ich ab ob ich meinen Weg bis zum eigentlich geplanten Etappenziel, Koblenz, fortsetzen sollte oder ob ich abbrechen würde. Mehr und mehr erschien mir der Abbruch als sinnvoll und nachdem die Wegqualität nun auch wieder nachließ entschloss ich mich tatsächlich dazu in Sankt Goar die Reise für diesmal zu beenden.

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Die restlichen zwei Etappen werde ich dann an einem schönen Wochenende im Spätsommer oder Herbst nachholen….

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