Lowepro Fotorucksack

Der Lowepro Rover 35L AW Fotorucksack verbindet wichtige Features für den Outdooreinsatz mit Funktionen die der ambitionierte Fotograf bei einem Rucksack erwarten würde. Er eignet sich demnach optimal für Outdoor Fotografen, fühlt sich durch seine Flexibilität aber auch im (Outdoor)Alltagseinsatz sehr wohl.


Durch die Möglichkeit ihn von oben als “Top Lader” und von vorne als “Front Lader” zu befüllen, kann man Foto- und klassisches Outdoorequipment fast ungestört voneinander benutzen. Der “Front-Lader” steht dabei für das Foto-Equipment zur Verfügung. Kamera und Objektive finden in einer separaten Tasche im Innenraum des Rucksacks Platz. Die Tasche besteht aus Schaumstoff und verfügt über ein wasserabweisendes Außenmaterial.

Die Kameratasche kann innen, wie bei Fototaschen gewöhnlich, an die eigene Fotoausrüstung über flexible Klettverschluss-Wände angepasst werden. Der Deckel wird dann mit einem Reisverschluss geschlossen. Hier sind auch zwei weitere verschließbare Fächer angebracht, die man z.B. zum Verstauen von Filtern benutzen kann. Praktisch. Zwei weitere außen angebrachte Taschen lassen sich leider nicht verschließen und eignen sich demnach nur bedingt als Stauraum. Aber Stauraum bietet der Rover Pro 35L noch genügend. Der Innentasche liegt ein weiteres Mäppchen bei in dem man Kleinigkeiten wie Pinsel oder Batterien ablegen kann. In der Innentasche habe ich das Mäppchen selten nie, da ich den gesamten Stauraum für Kamera und Objektive benötige.

Die Innentasche bietet auf 30cm Länge, 20cm Breite und 17,5 cm Höhe Platz für eine DSLR Kamera mit angelegtem Objektiv, einen Blitz und ein weiteres Objektiv. Natürlich kann der Stauraum völlig frei eingeteilt und genutzt werden. Da die Tasche aus Schaumstoff besteht, kann man es mit dem Packen auch sehr gut meinen. Ich war bereits mit einer 5D Mark III inkl. angelegtem 50mm 1.4 Objektiv + 16-35 2.8 + 70-200 2.8 IS (ohne Geli) unterwegs. Da das schon etwas überdimensioniert ist, verformt sich die Tasche etwas, lässt sich aber ohne weiteres verschließen und verstauen. Wenn man anstatt des 70-200 Teleobjektivs z.B. einen großen Blitz einpackt bekommt man die Tasche auch völlig unverformt geschlossen.

Schade, dass die Klettverschlüsse an einer Innenseite der Tasche fehlen. So wäre man noch flexibler und in meinem Beispiel hätte ich das 70-200mm Tele optimal fixieren können.

Die Innentasche lässt sich übrigens auch sehr gut ohne Rucksack an zwei Tragriemen in der Hand transportieren. Daneben kann der Rucksack ohne Foto-Innentasche auch als klassischer Trekking- oder Wanderrucksack eingesetzt werden.

Der Reisverschluss an der Vorderseite des Rucksacks lässt sich leider nicht weit genug öffnen um direkten Zugang zum gesamten Equipment der Innentasche zu haben. In Folge muss man oft die gesamte Innentasche entnehmen um an das ganze Equipment zu kommen.

Wenn man den Reisverschluss 2cm weiter öffnen könnte, würde dieser Umstand entfallen. Wer schnell reagieren möchte, der platziert den Inhalt so, dass sich die Kamera oben in der Innentasche befindet und somit ohne entnehmen der Tasche griffbereit zur Verfügung steht. Weiter unten wäre dann ggf. ein Wechselobjektiv, dass man für gewöhnlich nicht häufig schnell griffbereit haben muss.

An der Vorderseite des Rucksacks steht eine flexible Fronttasche zur Verfügung die sich z.B. sehr gut für Landkarten eignet. Sie kann über einen Klick-Verschluss etwas fixiert werden. Hier stehen auch zwei Laschen zum befestigen von Wanderstöcken oder Eispickel zur Verfügung, die dann weiter unten im Rucksack in zwei Schlaufen geführt werden.

Wer sein Kamera Equipment entnehmen will, der muss Wanderstöcke oder Eispickel vorher abnehmen um den Reisverschluss öffnen zu können. Auf der Innenseite der Frontladertür gibt es ebenfalls eine große mit Reisverschluss gesicherte Ablagemöglichkeit.

Auf der linken Außenseite des Lowepro´s kann ein Stativ angebracht werden. Das Stativ wird dabei durch zwei Stoff-Abdeckungen vor äußeren Einflüssen geschützt und kann mit zwei Schnallen fest fixiert werden. Stative sitzen so auch bei Action reicheren Sportarten fest und sicher. Die Schlaufen sind groß genug um auch mal größere Stative am Rucksack zu befestigen.

Auf der rechten Außenseite findet in einem Reisverschlussfach ein 2 Liter Trinksystem Platz. Der Trinkschlauch wird direkt oberhalb der Tasche nach außen geführt. Die Tasche ist sehr groß, wer kein Trinksystem hat, der kann auch eine gewöhnliche Wasserflasche gut unterbringen. Super! Auch diese Seite lässt sich von außen durch zwei Gurte sicher fixieren.

Der Zugang von oben kann wie gewöhnlich mit einem flexiblen Kordel-Verschluss zugezogen werden. Man befindet sich hierbei oberhalb des Kameraequipments. In dem praktisch großen Bereich finden z.B. Campingkochequipment, ein kleiner Hüttenschlafsack, Essen und Wechselkleidung platz.

Sehr schade finde ich, dass der obere Bereich nicht durch einen (flexiblen) Boden vom unteren Bereich getrennt ist. Kleinere Dinge bewegen sich mit der Zeit im Rucksack nach unten und befinden sich irgendwann neben oder unterhalb der Rucksack-Innentasche. Ärgerlich. Entweder man sucht die Sachen im oberen Fach oder sie stören wenn man unten an die Kamera möchte. Darüber hinaus könnte mit einer Abtrennung auch die untere Innentasche entnommen werden, ohne das Equipment aus dem oberen Teil nach unten rutscht. Ich habe mein Equipment aus dem oberen Fach meist in einer Plastiktüte, so kann sich der Inhalt nicht nach und nach im Rucksack verteilen. Funktioniert natürlich problemlos. Dennoch könnte man sich das auch gerne sparen. Übrigens: Bei großen Rucksäcken empfiehlt es sich ohnehin Plastiktüten in verschiedenen Farben für etwas Struktur um Rucksack zu nutzen.

Zu gemacht wird der Rucksack klassisch von oben über 2 Schnallen. Hier ist ebenfalls ein Reißverschluss gesichertes Fach integriert auf das man von außen zugreifen kann. Innerhalb dieses Fachs befindet sich ein fest angebrachter Karabinerhaken zur Sicherung eines Schlüsselbundes.

Lowepro kann sich sicher nicht nachsagen lassen sie hätten an Fächern und Funktionen gespart. Es gibt noch etliche weitere Features: Am Boden des Rucksacks befindet sich ein Raincover das bei Regen, Schnee oder hohem Staubaufkommen das ganze Equipment vor äußeren Einflüssen schützt. An dieser Stelle befinden sich auch zwei Gurte an denen man eine Isomatte oder ein kleines Zelt befestien kann.

An den Hüftgurten sind ebenfalls zwei Taschen angebracht in denen z.B. ein Handy, GPS oder Sonnenbrille untergebracht werden kann. Beide Taschen sind für meinen Geschmack optimal in der Größe. Die Hüftgurte sind an der Innenseite gepolstert, so auch der Bereich zwischen beiden Hüftgurten direkt über dem Gesäß. Der Rucksack verfügt über einen Alurahmen der direkten Kontakt vom Rucksack zum Körper unterbindet. Es liegt lediglich ein straffes Netz am Körper auf. Das garantiert maximale Luftzirkulation und minimierte Transpiration am Rücken.

Hervorzuheben ist, dass der Lowepro trotz Rahmen dennoch stehend abgestellt werden kann. Diverse andere Outdoor Rucksäcke mit Rahmen bleiben nicht stehen und müssen immer hingelegt werden, siehe z.B. Testbericht Osprey Atmos 25.

Ein Klettsyststen, das man von großen Trekkingrucksäcken her kennt, erlaubt die perfekte Anpassung der Schultergurte an eine Rückenlänge von 40cm-48cm. Selbstverständlich können die Gurte auch im Brustbereich mit Klick Schnallen zusätzlich fixiert werden.

Das Material des Rovers ist atmungsaktiv. Die Innentasche für das Fotoequipment ist zusätzlich aus wasserabweisenden Material. Alle Klick-Schnallen sind (wie bei den meisten Rucksäcken) aus Plastik. Innenliegende Reisverschlüsse sind mit einer orangenen Schnur gekennzeichnet. Innen stehen 14,5 × 15,8 × 31,5 cm (BxTxH) zur Verfügung, die Außenhülle misst dabei 32,0 × 27,0 × 50,0 cm. Mit 2,3kg Gesamtgewicht liegt er um einiges höher im Gewicht als vergleichbare 35L Tourenrucksäcke (um 1,6kg) ohne spezielle Fotofeatures. Maximale Ausstattung und die Innenliegende zusätzliche Fototasche zahlen hierbei natürlich auf das Gewichtskonto ein.

Um die 200,00€ muss man für den Rover 35L investieren. Das sind rund 80€ mehr als man für einen Rucksack ohne speziellen Fotofeatures hinlegen müsste. Sicher könnte man sich eine Lösung auch etwas günstiger selbst basteln. Etwa mit einem universellen Foto Polstereinsatz der in einem klassischen Tourenrucksack platziert wird. Evtl. findet man auch ein Modell an dem das Stativ recht gut angebracht werden kann. Mit dem Rover 35L bekommt man alles aus einem Guss und alle notwenigen Fotofeatures auf einem Tablett serviert, (fast) optimal aufeinander abgestimmt. Das sind mir persönlich 50-60€ Mehrinvestition definitiv wert.

Den Rover gibt es nur in der Farbe blau/grau. Wer mehr Stauraum benötigt sollte sich den Rover Pro 45L AW anschauen. Hier gibt es neben mehr Volumen eine zusätzlich Innentasche für ein 200er Tele oder sonstiges Zubehör. Darüber hinaus gibt es eine Verstaumöglichkeit für ein 15″ Notebook. Auf das Gewichtskonto kommen dabei nochmals 400g.

In den letzten Monaten konnte mich der Lowepro Rover Pro 35L AW sehr überzeugen. Er zeigte keine qualitativen Schwachstellen, weder im Alltag noch im Outdoor Fotobereich. Unpraktische Lösungen mit gewöhnlichen Rucksäcken bei denen das Fotoequipment schnell zugänglich aber dabei ungeschützt oder geschützt und dabei schlecht zugänglich gehören der Vergangenheit an. Auf Verpflegung und weiteres Equipment kann ich wie gewohnt unkompliziert über den Top-Lader zugreifen. Mein Kamera Equipment befindet sich gut geschützt im unteren Bereich. Rucksack abziehen, Front-Lader öffnen, Innentasche auf – los geht´s.

Lowepro hat beim Rover Pro fast an alles gedacht. Die meisten erwähnten Nachteile sind eher Kleinigkeiten. Einen Schnitzer haben sie sich leider geleistet, indem sich der obere Bereich nicht vom unteren Bereich trennen lässt. Insgesamt kann ich den Rucksack aber definitiv weiter empfehlen. So viele Features gepaart mit der Kombination aus Foto- und Outdoorrucksack sind einfach eine klasse Sache. Ich würde ihn wieder kaufen. Insgeheim spiele ich aber gelegentlich mit dem Gedanken mir von einer Schneiderei einen zusätzlichen Boden einnähen zu lassen.

Weitere Details zu den Modellen 35L und 45L gibt es direkt bei www.lowepro-deutschland.de

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