Share

Wanderschuhe FAQ

Wanderschuhe Dies soll keine FAQ sein die Euch das Anprobieren der Wanderschuhe erspart. Ich möchte hier lediglich diverse Basics, eine erste Beratung zur Verfügung stellen, die einen ersten Überblick über die individuellen Modelle für verschiedene Einsatzszenarien vermittelt. Nach dieser FAQ könnt ihr beurteilen ob Ihr beim Händler eures Vertrauens gut beraten werdet oder Ihr vielleicht wohl doch lieber Ausschau nach einem anderen Shop halten solltet, der sich mit der Materie auskennt. Denn das richtige Schuhwerk kann definitiv über Erfolg oder Mißerfolg, Spass oder Stress bei einer Tour entscheiden.

Die FAQ wird, wie bereits bei meiner GPS FAQ, anhand meiner Erfahrungen beim Kauf meiner ersten richtigen! Wanderschuhe erstellt. Als Recherche diente mir das Internet und verschiedene Fachhändler bei mir in der Stadt.

Bei Kritiken und/oder Verbesserungsvorschlägen könnt ihr mir gerne eine Mail schicken oder euer Anliegen einfach hier als Comment mit einfügen.

Viel Spass :)

Welcher Art von Wanderschuhen bzw. Wanderstiefeln gibt es generell?

Man kann zwischen nach den Einsatzbereichen in normalen Wander- oder Freizeitschuhenschuhen (meist flach), Wanderstiefeln, Trekkingstiefel und Alpinstiefel unterscheiden.

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Modelle?

Wanderschuhe haben ein vergleichbar weiches Profil (Sohle) und reichen auch wie ein normaler Schuh nicht über den Knöchel. Diese Variante ist aus diesem Grund nur für einfaches Terrain gedacht, wie z.B. Forstwege, gute ausgebaute Wander- und/oder Wirtschaftswege. Sie eignen sich durch ihre Leichtigkeit und den beständigen Eigenschaften auch sehr gut als Freizeitschuh.

Wanderstiefel hingegen reichen, wie es für Stiefel üblich ist, über den Knöchel und bieten desw. auch mehr Halt als ihre flachen Kollegen. Stiefel eignen sich demnach für unwegsameres Gelände und je nach Härtegrad und Qualität des Stiefels zum Teil auch in Maßen für höhere Parts mit Geröll oder Schotter.

Für eine Mehrtagestour im Alpinen Gebirge sind Wanderstiefel nicht gedacht. Hier kann es nach entsprechender Belastung zu Schäden am Schuh kommen und für anspruchsvolle Passagen durch den zu geringen Härtegrad einfach nicht genug Halt bieten.   Hier kommen Trekking Schuhe die für Höhen oberhalb der Baumgrenze ausgelegt sind zum Einsatz. Der Trekking Stiefel hat einen höheren Härtegrad als der Wanderstiefel und bietet auch seitlich mehr Festigkeit und Halt. Darüberhinaus ist diese Variante auch meist mit einem harten Gummirand (Geröllschutzrand) (siehe Bild #3 unten links) rund um den Schuh geschützt um Beschädigungen vor Geröll & Co. zu bieten. Darüberhinaus sind Trekking Stiefel mit entsprechendem Härtegrat oft auch “bedingt Steigeisenfest” (dazu unten mehr).

Der Alpinstiefel ist der Schuh für extrem Einsätze im alpinen Gebirge. Der Schuh besitzt Sohlen bis zum maximalen Härtegrad und ist für den Einsatz mit Steigeisen geeignet. Der Schaft und die Sohle ist generell sehr hart, so dass er im extremen Gelänge im Einsatz genug Halt für entsprechende Situationen bietet. Definitiv nichts für den Einsatz unterhalb der Vegetationsgrenze.

Generell kann man sagen, dass ein weicherer Schuh einen höheren Komfort bietet, ein härter Schuh dafür aber mehr Halt und Schutz.

Steigeisen geeignet? Bedingt Steigeisen geeignet? Was bedeutet das?

Steigeisengeeignete Stiefel (Laufen und Klettern mit Steigeisen möglich) haben eine steife Sohle die mit Carbon o.ä Material verstärkt ist. Diese verbiegt sich beim Gehen nicht. Hier können Steigeisen mit Kipphebelbindung (siehe Bild #2 rechts) angebracht werden. Bei bedingt steigeisengeeigneten Schuhen (Laufen mit Steigeisen möglich) können nur Steigeisen mit Riemenbindung befestigt werden.
Wanderschuhe FAQ
Von bedingt steigeisengeeigneten Schuhen spricht man bei Schuhen ab Meindl Typ C. Bei steigeisenfesten Stiefeln spricht man von Schuhen vom Typ Meindl Typ D.

Meindl Typ X? Was bedeutet das?

Je höher die Klassifizierung desto steifer der Schuh. Demnach ist Meindl Typ A sehr weich und Meindl Typ D sehr steif. Die Klassifizierung stammt von Meindl, Wanderschuhe von anderen Herstellern werden jedoch oft auch nach dieser Klassifizierung bewertet.

Die Klassifizierungen lassen sich wie folgt einteilen:

Typ A -> Wanderschuhe für leichte Wanderungen oder als Freizeitschuh
Typ A/B -> Mittelgebirge und/oder gut ausgebaute Pfade in den Alpen, oder einfache Wanderungen in Wäldern und Wiesen.
Typ B -> Für ausgedehnte Wanderungen mit Gepäck. Sohle bereits sehr hart, demnach auch etwas unkomfortabler bei Wanderungen die kein Typ B Schuhwerk benötigen. Andererseits jedoch bei entsprechendem Terrain besserer Halt.
Typ B/C -> Klassischer Schuh fürs Trekking im Hochgebirge. Recht Steif und dadurch auch geieignet für leichtere Steigeisen und Wanderungen im Schnee/Eis.
Typ C -> Bedingt steigeisenfester Schuh (Steigeisen mit Riemen) fürs Alpine Gebirge. Hiermit sind Touren auf mäßig steilem Gelände möglich, fürs Klettern kommt Typ D ins Spiel…
Typ D -> Steigeisenfester Schuh (Steigeisen mit Kipphebel) mit absolut steifer Sohle und Oberbau. Dieser Typ sollte nur im Hochgebierge bei extremen Touren mit Steigeisen, Eisklettern usw. verwendet werden. Für Touren im Mittelgebirge usw. durch die Steifigkeit sehr unkomfortabel bzw. eigentlich völlig auszuschließen.

Die Typen und die Einteilung bedingt steigeisenfest bzw. steigeisenfest sind nicht klar definiert. Es kann demnach vorkommen das Hersteller Schuhe mit Typ B dennoch als bedingt steigeisenfest anbieten. Ihr müsst euch demnach pro Schuh individuell erkundigen.

Bei einigen Fachhändlern wie Karstadt Sport oder Intersport wurde uns auf der Suche nach Wanderschuhen für Frauen auch Stiefel angeboten die nicht ganz klar in eine Typenklasse einzuteilen sind. Es waren Stiefel (durchaus von namhaften Herstellern) mit hohem Schaft – welcher jedoch recht weich war – und darüberhinaus mit sehr weicher Sohle, die ohne weiteres mit den Fingern zu verbiegen war. Hier kann es sich nur um Freizeitschuhe (Typ A, jedoch als Stiefel) )handeln die für Wanderungen auf gut ausgebauten Forst- und Wanderwegen taugen – mehr nicht.

Wann benötigt man Steigeisen?

Wann Steigeisen benötigt werden erfahrt ihr in der Tourbeschreibung oder von eurem Bergführer. Bisher habe ich auf meinen Touren noch kein Steigeisen benötigt – nicht mal im Hochgebirge auf meiner Rombon Tour. Es kann jedoch sein, dass bez. der Witterung nur zu bestimmten Jahreszeiten Steigeisen benötigt werden. Erkundigt euch demnach vor einer Tour sehr genau über das Zielgebiet.

Hochgebirge oder Mittelgebirge? Wo bin ich unterwegs?

Welcher Schuh letztendlich benötigt wird hängt wie gesagt vom Einsatzgebiet ab. Aus diesem Grund ist die erste Frage beim Fachhändler meist in welchem Gebiet ihr unterwegs seid. Wanderschuhe FAQDa die Fachhändler beim erstmaligen Kauf von Wanderschuhen nicht voraussetzen das ihr etwas von Typ A, B, C wisst, wird nach den Gebiergsarten- bzw. höhen gefragt. Auch wenn ihr jetzt bescheid wisst welchen Typ an Schuhen ihr benötigt, anbei dennoch die Info wann man von Mittel- oder Hochgebirge spricht.

In Mitteleuropa hat sich für das Mittelgibirge eine Höhe von 1500m etabliert. Von Hochgebirge spricht man von Gipfelhöhen zwischen 2000m und 2500m.

Die Begriffe sind jedoch auch nicht ganz klar definiert. Weitere Infos zu Mittel- Hochgebirgen & Co. findet ihr bei Wikipedia.

Ich denke die meisten Leser hier werden im Mittelgebirge unterwegs sein, weswegen ein Schuh der Klassifizierung A/B oder B ausreicht. Testet die verschiedenen Typen bei eurem Händer und ihr werdet überrascht sein wie steif bereits ein Typ A/B Schuh ist.

Welchen Typ kann man generell emfpehlen?

Kommt selbsverständlich wieder auf den Einsatz an. Der standard Wanderer der im Mittelgebirge unterwegs ist und das ein oder andere mal etwas Schotter und Geröll unter der Sohle hat ist bereits mit einem A/B Schuh sehr gut beraten. Mit einem Schuh des Typs A/B habt ihr ausreichend Komfort für klassische Wanderwege im Mittelgebirge und andererseits auch die Eigentschaften eines Tysp B Schuhs für etwas anspruchvollere Wanderungen bis zum unteren Hochgebirge (kommt natürlich immer auf ´s Terrain an). Mann kann hier je nach Schuh oft schon von einem Allrounder sprechen für alles was nicht extrem ist.

Ich persönlich finde das in Schuhschrank eines Outdoorliebhabers ein Typ A/B Schuh nicht fehlen darf. Wenns dann doch mal extermer werden soll, dann kann man sich doch mal für “extremeres” spezielle Schuhe anschaffen. Bei Wanderungen im Schwarzwald & Co. bin ich froh keine B oder sogar C ´s an den Füßen zu haben. Sind mir für die meisten Einsätze einfach zu steif… …aber das muss jeder für sich entscheiden.

Welche Größe sollte ich kaufen?

Hier kann man keine pauschale Aussage treffen, da Schuhgrößen nicht genormt sind. Die Größen können sich vor allem bei ausländischen Firmen unterscheiden.

Da man bei längerem bergab laufen ein wenig nach vorne rutscht, sollte hier genug Luft vorhanden sein um ein Anstoßen auch bei längeren, steilen Passagen auszuschließen. Ein Finger breit oder ca. 1cm sollte von der Fußspitze bis zum Schuh Platz sein. Ihr könnt den Abstand ziemlich einfach erkennen, wenn ihr die Innensohle aus dem Schuh holt und euch dann auf die Sohle stellt (siehe Bild #4 rechts). Wanderschuhe FAQ

Im Zweifelsfall lieber eine Nummer zu groß als zu klein kaufen. Einen Schuh kann man eher etwas “kleiner” machen, niemals größer.

Ein guter Fachhändler sollte auch entsprechende Vorrichtungen haben um den Schuh auch bergab testen zu können.

Was gibt es beim anprobieren sonst noch zu beachten?

Geht eure Schuhe am besten am Abend kaufen und nicht morgens. Die Füße schwellen über den Tag hinweg an (wie bei einer Tour bei Anstrengung), demnach kann es dann von der Größe her etwas knapp werden.

Zieht am besten die Socken an die ihr auch im Schuh tragen werdet. Dünne Slippersocken sind zum anprobieren definitiv ungeeignet, wobei Wander- bzw. Sportsocken dicker sind und es im Schuh hier auch wieder recht knapp werden kann.

Wie sieht es mit der Pflege aus?

Schuhe nach der Tour von außen (wenn nötig auch von innen) einfach mit der Bürste vom Dreck befreien. BEi entsprechender Verschmutzung kann das auch unter kaltem bis lauwarmen fließendem Wasser gemacht werden. Auf jeden Fall kein heißes Wasser oder Seife benutzen, da diese dem Material schaden.

Zum Trocknen die Schuhe ausgedehnt einfach an einen warmen, luftigen Ort ohne Sonneneinstrahlung trocknen lassen. Niemals direkt an der Heizung, Ofen o.ä. trocknen – das schadet dem Leder. Bei Schuhen mit Lederfutter müssen die Schuhe im regelmäigen Wechsel mit Zeitungspapier ausgestopft werden.

Leder muss regelmäßig gewachst werden. Nubukleder, welches bei vielen Schuhen verwendet wird, nimmt hier eine dunklere Farbe an und wird glatter. Wen das stört muss zu speziellen Reinigungsmitteln greifen.

Letztendlich sollten die Schuhe auch regelmäßig impregniert werden (Sprays auf Fluorcarbon-Basis benutzen). Hierbei sollte das Spray nach der Reinigung großzügig auf den trockenen Schuh aufgetragen werden (immer auf die Bedienungsanleitung des entsprechenden Sprays achten).

Bei der Pflege scheiden sich aber auch oft die Geister. Im Zweifelsfall wendet Euch an den Hersteller des Schuhs der euch direkt und kompetent beraten kann wie Ihr euren Schuh richtig pflegt.

Wie trockne ich die Schuhe eigentlich unterwegs?

Da man die Schuhe an keinem Feuer, keinem Ofen & Co. trocknen kann, ist eine schnelle Trocknung oft schwierig. Normalerweise sollte der Schuh durch entsprechende Materialien und der Impregnierung wasserbeständig sein. Die Feuchtigkeit innen im Schuh wird durch moderne Kunststofffaser o.ä. nach außen transportiert. Sollte der Schuh dennoch völlig durchnässt sein, kann man über Nacht Zeitungspapier in den Schuh drücken welches nicht zu fest gestopft werden sollte. Schuhe nach dem Trocknen wieder impregnieren.

Ich habe eine Unvertäglichkeit gegen Kaliumdicomat (Chrom). Was habe ich hier für Möglichkeiten?

Wenn man eine Unverträglichkeit gegen mineralisch mit Chrom gegärbten Schuhen hat, sollte man darauf achten Schuhe mit Gore Tex Futter zu erwerben. Die sollten kein Problem darstellen, da man hier keinen Kontakt zum Außenleder hat und das Leder demnach nicht “angreifen” kann.

Wenn es unbedingt Schuhe mit Lederfutter sein sollen, gibt es von Hanwag den Canyon II, der mit einer so genannten Weißgerbung (mit Titan) bearbeitet ist und komplett chlorfrei ist. LOWA hat sowas z.B. nicht im Programm.

Komplett pflanzilich gegärbte (vegetabil) Wanderschuhe sind von keinem Herstellter bekannt. Wohl aufgrund der herben Nachteile, da die Kosten hierfür sehr hoch sind, die Qualität schlechter ist (z.B. beim Abweisen von Wasser) und die Umwelt vergleichbar stark belastet wird.